Die wertschätzende Konnotation stellt ein Reframing dar, bei dem ein Verhalten, das beklagt wird, in einer positiven Bedeutung für das Gesamtsystem bewertet wird.

Für Virginia Satir war die wertschätzende Konnotation ein wichtiges Instrument. Neben ihr beschäftigte sich das Mailändermodell mit dieser Technik.

Hier hilft es, die defizitäre Sprache in eine zielorientierte Sprache zu übersetzen, wodurch dieselbe Verhaltensweise in einem Familiensystem eine positive Bedeutung erlangt. Dies befreit einmal davon, sich vorschnell verändern zu müssen und es wird leichter, Veränderungen zu wagen und das „Gesicht gleichzeitig zu wahren“. Zudem werden positive zirkuläre Auswirkungen des Verhaltens auf das gesamte System deutlich.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Verhalten „positiv“ bewertet wird, sondern dass es vom Kontext abhängt, ob dieses Verhalten positiv oder auch negativ auf die einzelnen Systemmitglieder wirkt. Eine differenziertere Sichtweise entsteht.

Beispiel

In einer Familiensitzung beklagt die Frau sich über ihren Mann, weil dieser immer passiv sei und seine Meinung nie sage. Außerdem bringe er sich wenig aktiv in den Familienalltag ein.

Berater:in: Wann ist es für sie hilfreich, dass ihr Mann die Dinge so akzeptiert?

Mutter: Vor dem Urlaub finde ich es gut, ich komme mit den Planungen schneller voran, wenn mein Mann sich nicht aktiv einbringt. Es ist immer Stress. Es muss dann schnell gehen. Da bin ich froh, dass er mich schalten und walten lässt.

Tochter: Ja, Mama kann den Wohnwagen besser packen als Papa. Da finde auch ich alles wieder.

Be: Ach, da finden sie beide die zurückhaltende Art ihres Mannes und deines Vaters gut.

Be: Wann glauben sie, ist es für ihre Tochter hilfreich, wenn ihr Mann die Dinge so akzeptiert, wie sie sind?

Mu: Sie setzt eher ihre Vorstellungen durch.

To: Papa hört aber auch zu und versteht mich dann.

Be: Also, er kann gut zuhören und die Dinge so annehmen wie sie sind.

Be zur To: In welcher Situation denkst Du, würde Dein Vater gerne seine zurückhaltende Art aufgeben und etwas zu Deiner Mutter sagen?

To: Wenn Mama wieder drei Dinge gleichzeitig plant …

Be: Hast Du auch eine Idee, wann Deine Mutter sich wünschen würde, dass Dein Vater seine abwartende Haltung verändert?

To: Ja, wenn er sie nicht unterstützt, wenn ich etwas durchsetzen wil …

Im vorliegenden Beispiel (1) wurde passiv sein und „seine Meinung nie sagen“ übersetzt durch:

  • Dinge so akzeptieren , wie sie sind
  • Gut zuhören
  • Abwartende Haltung
  • Zurückhaltende Haltung

(1) Ein weiteres Strukturelement dieser Familie war, daß die Frau und Mutter ein überaus tempramentvolles Sprachzentrum hat. Dazu habe ich von Virginia Satir deren Metapher des Selbstwerttopfes* entliehen: analog zum Familienmobile bitte ich alle Familienmitglieder, jede:r für sich, einmal auf ein Blatt Papier einen Topf zu malen: “Stellt Euch das so vor, daß Eure familiäre Kommunikation den gesamten Topf füllt. Jede:r von Euch bekommt eine Füllschicht zur Verfügung. Wie hoch meinst Du selbst ist Deine Schicht und wie hoch die jedes anderen. Markiert das mal außen am Topf.” Das macht jede:r für sich und dann zeigen sie das den anderen und darüber kommen wir mit ihnen ins Gespräch: Der Topf fasst 100 % Kommunikation. Wenn jemand 50 % einnimmt (Mutter) bleibt für die anderen Drei nur 50 % übrig, also z. B. Tocher 25 %, Sohn 15 % und Vater 10 %.

* Virginia Satir. Kommunikation und Selbstwert. Kongruenz. Paderborn 1999. S. 39 ff