Metakognition und der innere Beobachter*

Merksatz: Anhand der folgenden Kategorien kannst Du für jeden Klienten oder Kunden überprüfen, über welche metakognitiven Fähigkeiten er oder sie verfügt.

Denken kann als Prozess gesehen werden, der anfällig für viele Störungen ist:

Außenreize werden in das ‚sensorische Register‘ (Thalamus) aufgenommen und von dort an das Kurzzeitgedächtnis (Hippocampus) weitergeleitet, welches die aufbereiteten Einzelinformationen enkodiert und so bedeutungshaltige (Amygdala) Wissenselemente (PFC und Cortex) herstellt.

Durch spezialisierte ‚Puffer‘ wird dieses Wissen aufgearbeitet und an das Langzeitgedächtnis (Hippocampus legt Inhaltsverzeichnisse an) weitergeleitet, wo es als semantisches oder episodisches¹ Wissen ‚archiviert‘ wird. Dort können Bedeutungen und Einzelinformationen fehlerhaft zugeordnet werden (z. B. fragmentiertes biografisches Gedächtnis), das Langzeitgedächtnis kann die Informationselemente falsch speichern oder der Prozess kann insgesamt blockiert sein.

Infolge solcher Störungen können Wissenselemente nicht mehr oder nur sehr mühsam wieder ‚aufgespürt‘ werden.

Metakognition plant, steuert und kontrolliert Denkabläufe in der Absicht, sie zu optimieren und Fehlleistungen zu minimieren, indem sie das Denken – bildlich gesprochen – an diese ihm allgemein zugehörenden Prozesse erinnert.

Nach Flavell (1992, 1993) lassen sich zwei Dimensionen unterscheiden, siehe Wikipedia

  • metakognitives Wissen (metacognitive knowledge) als deklarativer Aspekt und
  • metakognitive Kontrolle (metacognitive monitoring and self-regulation) als exekutiver Aspekt.

Der deklarative Aspekt umfasst wiederum drei Unterdimensionen:

  • personenbezogenes Wissen – alles Wissen, das man über sein eigenes Denken und Gedächtnis besitzt;
  • aufgabenbezogenes Wissen – alles Wissen darüber, wie eine Aufgabe beschaffen ist und welche Anforderungen sie stellt;
  • strategisches Wissen – alles Wissen, das es erlaubt, Lösungswege in ihrer Eignung für die Bewältigung der jeweiligen Aufgabe zu bewerten und alternative Lösungsmöglichkeiten in ihrer Wirksamkeit einzuschätzen.

Der exekutive Aspekt umfasst zwei grundlegende Prozesse: die metakognitive Steuerung (self-regulation) und die Kontrolle (self-monitoring).**

  • Die metakognitive Steuerung bezieht sich auf alle Aktivitäten der Planung, Regulierung und Bewertung während der Bearbeitung einer Aufgabe.
  • Die Kontrolle stellt dabei fest, wie weit man sich bei dieser Bearbeitung befindet, ob man auf dem Weg zum Ziel ist und ob man die in der Planung gesetzten Zwischenziele oder gar das Endziel erreicht hat.

¹ siehe bei Ruhr Universität Bochum: https://www.ratgeber-neuropsychologie.de/gedaechtnis/gedaechtnis.pdf

* Gunther Schmidt. Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. 2005. Seite 37ff

* auch Jochen Peichl. Hypno-analytische Teilarbeit. Auszüge bei Google Books

** https://lexikon.stangl.eu/4068/metakognition