Trauma, Traumatisierung III

Sekundäre Traumatisierung

Wer mit Klienten arbeitet, die durch Ereignisse traumatisiert oder/und bindungstraumatisiert wurden, sollte sich mit dem Phänomen der sekundären Traumatisierung beschäftigen.

Der Begriff Sekundäre Traumatisierung wird noch etwas unheitlich gebraucht. Er bezog sich zunächst auf die Erstversorgenden von Verletzten, schwer Erkrankten, Katastrophen, also Ärzte, Sanitäter, Feuerwehrleute, Polizisten u. ä. Mitarbeiter*innen. Heute bezieht er sich auf Berufsgruppen, die mit Verfolgten, Geflüchteten, Gefolterten, Kriegs- oder Katastophenopfern arbeiten, also Psychotherapeuten, Traumatherapeuten, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, Mitarbeiter in Beratungsstellen und -diensten, Pfarrer, Ehrenamtliche. Und die dritte Berufsgruppe, ist jene, die mit bindungstraumatisierten Menschen arbeitet in den vielfältigen Arbeitskontexten der Sozialarbeit – bezogen auf uns hier Mitarbeitende im Betreuten Wohnen und in Jobcentern in der Arbeit mit langzeitarbeitslosen Menschen.

Wenn man „eng“ mit diesen Menschen zusammen arbeitet, so scheint das Phänomen zu bestehen, daß Traumatisierung ansteckend wirken kann, daß also die Traumaphänomene der Klienten „überspringen“ auf die Mitarbeitenden:

Als Sekundäre Traumatisierung bezeichnet man das Auftreten typischer posttraumatischer Symptome bei Menschen, die nur indirekt mit dem traumatischen Ereignis konfrontiert wurden, z.B. durch die Beschreibungen ihrer KlientInnen.

Merksatz in eigener Sache, der für das Verstehen der folgenden Texte von Bedeutung ist: Die Bezeichnungen Therapeut – Sozialarbeiter – Betreuer – Berater haben in meiner Konstruktion bedeutsame gemeinsame Schnittmengen. Die Unterscheidung, die dann einen Unterschied macht, besteht wesentlich in der Zuständigkeit der Finanzierung. Wenn künftig in diesem Blog von Therapeuten / Therapie, von Berater / Beratung oder Betreuung / Betreuer die Rede ist, dann sollen diese Bezeichnungen synonym verstanden werden, es sei denn ich nehme unterscheidenden Bezug dazu.

Ich möchte zur Sekundären Traumatisierung hier dazu selbst nichts weiter ausführen, weil es von Judith Daniels eine „fabelhafte“ Website zum Thema gibt: www.sekundaertraumatisierung.de. Bitte unbedingt einmal durchklicken.

Wer sich selbst einmal überprüfen möchte, kann dies anhand des Fragebogens tun:  FSTAuswertung
Quelle: Daniels, Judith (2006): Sekundäre Traumatisierung – kritische Prüfung eines Konstruktes. Dissertation, Universität Bielefeld

Ihren Aufsatz Eine neuropsychologische Theorie der Sekundären Traumatisierung wirst Du jetzt, nachdem Du schon etwas mit den Begrifflichkeiten der Hirnforschung und den Funktionen des Gehirns vertraut bist, gut lesen können: https://sekundaertraumatisierung.de/wp-content/uploads/2019/04/Daniels_2007_ZPPM_ST.pdf